Wozu ein Stufenmodell
Die Frage „sind wir bereit für KI-Agenten“ lässt sich nicht mit ja oder nein beantworten, und genau daran scheitern die meisten Diskussionen darüber. Ohne Stufen bleibt nur ein Gefühl, und ein Gefühl trägt kein Budget. Mit Stufen wird aus der Frage eine Position, aus der Position eine Lücke und aus der Lücke eine Maßnahme.
Das Modell setzt an dem an, was ein Agent im Fallback in die offene Recherche tatsächlich prüft. Es misst nicht, wie modern Ihre Website ist, sondern ob eine Maschine aus Ihren Angaben eine belegbare Empfehlung bauen kann.
Die fünf Stufen im Detail
Zu jeder Stufe finden Sie die Definition, die Merkmale, an denen Sie sie bei sich erkennen, und die Kosten der Lücke nach oben. Lesen Sie von unten nach oben und halten Sie dort an, wo Sie sich zum ersten Mal wiedererkennen.
Nicht auflösbar
Ein Agent kann Ihr Unternehmen nicht eindeutig identifizieren und ordnet Ihre Kompetenzen deshalb jemand anderem zu.
- Der Firmenname existiert mehrfach, etwa als Werk, Vertriebsgesellschaft und Marke, ohne erkennbare Verbindung.
- Mehrere Sprachdomains laufen nebeneinander, keine verweist auf die andere als dieselbe Entität.
- Adresse, Rechtsform oder Handelsregisterangabe weichen zwischen Website, Branchenportalen und Katalogen ab.
- Es existiert kein maschinenlesbarer Organisationsknoten auf der eigenen Website.
Alles, was Sie darüber investieren, verpufft. Ein Agent, der nicht weiß, wer Sie sind, kann auch begründete Produktdaten nicht Ihnen zuordnen. Die Nennung geht dann an den Distributor, an eine namensgleiche Firma oder an niemanden.
Der nächste SchrittEine eindeutige Organisationsentität herstellen: ein kanonischer Auftritt, konsistente Angaben über alle Quellen, maschinenlesbar ausgezeichnet.
Auffindbar, aber unbegründet
Ihre Produkte sind auffindbar und werden genannt, aber der Agent kann keine Empfehlung daraus ableiten.
- Produktseiten listen Merkmale auf, sagen aber nicht, für welchen Anwendungsfall das Teil geeignet ist.
- Es fehlt jedes Auswahlkriterium und jede Abgrenzung, also auch die Angabe, wann das Produkt nicht passt.
- Kennwerte stehen im Fließtext oder in einer Bildtabelle statt als benannte Merkmale.
- In KI-Antworten taucht der Firmenname gelegentlich auf, aber nie mit einer konkreten Produktempfehlung.
Sie zahlen den vollen Preis der Sichtbarkeit und bekommen keinen Auftrag dafür. Der Agent listet Sie unter „gibt es auch“ und wählt den Anbieter, dessen Eignung er belegen kann. Das ist die teuerste Stufe, weil sie nach Erfolg aussieht.
Der nächste SchrittJe Produktgruppe die Eignung begründen: Anwendungsfall, Auswahlkriterium, Grenzen. Ein Satz, den ein Agent zitieren kann.
Begründet und spezifiziert
Eignung ist begründet und die Sachmerkmale liegen in vergleichbaren Größen und Einheiten vor.
- Zu jeder Produktgruppe existiert eine nachvollziehbare Eignungsaussage mit Anwendungsfall und Grenzen.
- Kennwerte sind benannt, mit Einheit versehen und gegen eine Klassifikation wie ECLASS oder ETIM geführt.
- Datenblätter sind nicht die einzige Quelle, sondern die Druckansicht einer strukturierten Datenbasis.
- Die Angaben sind über Website, Katalog und Portale widerspruchsfrei.
Sie sind auswählbar, aber nur dort, wo ein Agent Ihre Seiten tatsächlich liest. Ohne strukturierte Auslieferung bleiben Sie auf die Reichweite von Crawlern angewiesen und fallen aus Katalog- und Feed-basierten Kanälen heraus.
Der nächste SchrittDieselbe Datenbasis maschinenlesbar ausliefern: strukturierte Daten im HTML, Katalogformate, offene Crawler-Regeln.
Strukturiert ausgeliefert
Die begründeten Daten werden maschinenlesbar ausgeliefert, nicht nur auf Seiten dargestellt.
- Produkt- und Organisationsdaten liegen als strukturierte Daten im HTML, ohne JavaScript-Abhängigkeit.
- Es existiert ein gepflegter Katalog- oder Feed-Export, etwa BMEcat, und er stammt aus derselben Quelle wie die Website.
- KI-Crawler sind bewusst zugelassen statt reflexhaft gesperrt.
- Preise sind zumindest als Listenpreis mit dokumentierter Staffellogik sichtbar, nicht ausschließlich auf Anfrage.
Sie sind lesbar, aber nicht abfragbar. Der Agent bekommt einen Stand, keine Auskunft. Bei Verfügbarkeit, Lieferzeit und Preis arbeitet er mit veralteten Daten und stuft Sie deshalb als riskanter ein als einen Anbieter, der in Echtzeit antwortet.
Der nächste SchrittEinen abfragbaren Endpunkt bereitstellen und ihn auffindbar machen: Agent Card, MCP-Server, Auskunft zu Preis und Verfügbarkeit.
Direkt abfragbar
Ein fremder Agent kann Ihr Unternehmen finden, seine Fähigkeiten erkennen und ohne vorherige Integration abfragen.
- Eine gültige Agent Card liegt unter dem kanonischen Pfad und beschreibt reale, erreichbare Skills.
- Hinter der Card antwortet ein Dienst, etwa über A2A oder einen MCP-Server, nicht nur eine Datei.
- Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zur Laufzeit abfragbar statt als Momentaufnahme exportiert.
- Die Zugriffe fremder Agenten werden gemessen und ausgewertet.
Auf dieser Stufe entstehen keine Auswahlverluste mehr aus der Datenlage. Was Sie hier verlieren, verlieren Sie am Produkt oder am Preis, und das ist eine Aussage, die Sie vorher nicht treffen konnten.
Der nächste SchrittHalten und messen. Ab hier verschiebt sich die Arbeit von der Datenbasis zur Beobachtung, welche Anfragen Sie erreichen und welche nicht.
Der Sprung von 1 auf 2 ist der teuerste
Die Stufen 0, 3 und 4 sind technische Aufgaben. Sie lassen sich beauftragen, terminieren und abnehmen. Der Sprung von Stufe 1 auf Stufe 2 ist keine technische Aufgabe, sondern eine inhaltliche, und deshalb bleibt er in fast allen Projekten liegen.
Der Grund ist unangenehm einfach: Die Begründung, warum ein Produkt für einen bestimmten Anwendungsfall geeignet ist, steckt bei Ihnen im Haus. Sie liegt bei den Menschen, die Anfragen beantworten und Auslegungen rechnen, nicht in einem System, aus dem man sie exportieren könnte. Kein Dienstleister kann sie liefern, weil sie Produktwissen voraussetzt.
Praktisch bewährt sich, das nicht für das gesamte Sortiment anzugehen, sondern für eine Warengruppe, in der Sie technisch stark und wirtschaftlich interessiert sind. Ein begründeter, spezifizierter Ausschnitt schlägt einen vollständigen, aber unbegründeten Katalog, weil der Agent im Fallback ohnehin nach einem konkreten Bedarf sucht und nicht nach Sortimentsbreite.
Was das Modell nicht misst
Drei Abgrenzungen, damit die Einordnung ehrlich bleibt.
- Es misst keine Produktqualität. Stufe 4 macht ein ungeeignetes Produkt nicht geeignet. Sie sorgt nur dafür, dass die Entscheidung am Produkt fällt und nicht an der Datenlage.
- Es misst nicht Ihre Position im Bestandsgeschäft. Wer im ERP eines Kunden gelistet ist, gewinnt dort ohne Wettbewerb, unabhängig von seiner Stufe. Das Modell beschreibt den Fallback, also das Neugeschäft und die Verteidigung gegen Substitution.
- Es ist kein Reifegrad Ihrer IT. Ein Unternehmen mit gepflegtem PIM kann auf Stufe 1 stehen, wenn niemand die Eignung beschrieben hat. Ein Unternehmen ohne PIM kann Stufe 2 erreichen, wenn die Beschreibung stimmt.
Wie Sie von hier aus weitermachen
Ordnen Sie sich zuerst ein, bevor Sie etwas beauftragen. Die Einordnung entscheidet über die Reihenfolge, und die falsche Reihenfolge ist der häufigste Grund, warum Budget in diesem Feld wirkungslos bleibt. Der Readiness-Check führt Sie in wenigen Minuten durch die Einordnung. Die technische Umsetzung der Stufen 3 und 4 beschreibt Sichtbar für KI-Agenten, den Zugriffsweg für Stufe 4 erklärt MCP.