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Industrie · Perspektive Hersteller

Was sich für Hersteller ändert

Ihr Bestandsgeschäft ist sicher, solange Sie gelistet sind. Neugeschäft entsteht künftig fast ausschließlich in einem Moment, den Sie bisher nicht bearbeiten.

Zuletzt aktualisiert:

Zwei Geschäfte, die sich nicht gegenseitig retten

Als Hersteller führen Sie in dieser Logik zwei getrennte Geschäfte, und beide brauchen unterschiedliche Arbeit.

BestandsgeschäftNeugeschäft
Wo es entschieden wird Im ERP des Kunden, Stufe 1 Im Fallback, Stufe 2
Wettbewerb Findet nicht statt Gegen alle, die der Agent auswerten kann
Was zählt Saubere Artikeldaten beim Kunden, konsistente Nummern, gültige Rahmenverträge Auflösbare Firmenentität, begründete Eignung, maschinenlesbare Auslieferung
Wer es verantwortet Innendienst und Key Account Produktmanagement und Anwendungstechnik
Typischer Fehler Annahme, gelistet zu sein sei dauerhaft Annahme, Sichtbarkeit sei ein Kommunikationsthema

Der zweite Fehler ist der teurere. Wer Auffindbarkeit ins Marketing gibt, bekommt bessere Texte und schönere Seiten. Was fehlt, ist die Verknüpfung von Merkmal und Eignung, und die liegt bei der Anwendungstechnik.

Ihr wertvollstes Wissen ist nirgends aufgeschrieben

Der Engpass ist bei Herstellern fast immer derselbe, und er ist kein Datenproblem im engeren Sinn. Die Frage, für welchen Anwendungsfall ein Bauteil geeignet ist, unter welchen Bedingungen es nicht mehr passt und warum es einem Wettbewerbsteil vorzuziehen ist, beantworten bei Ihnen Menschen. Sie tun es am Telefon, in der Auslegung und im Angebotsgespräch, und sie tun es gut. Nur steht es nirgends.

Solange dieses Wissen mündlich bleibt, kann ein Agent Ihr Produkt zwar auflisten, aber nicht empfehlen. Das ist Stufe 1 im Reifegradmodell, und es ist die unangenehmste Stufe, weil sie nach Erfolg aussieht: Sie werden genannt, Sie werden gefunden, und Sie bekommen trotzdem keinen Auftrag.

Praktisch heißt das: Der erste Arbeitsschritt ist kein technischer. Er besteht darin, Anwendungstechnik und Produktmanagement zusammenzusetzen und für eine Warengruppe aufzuschreiben, was heute im Gespräch gesagt wird.

Der Umweg über den eigenen Händler

Rechnen Sie damit, dass Ihr Distributor in Agentenantworten häufiger auftaucht als Ihr Werk. Der Grund ist strukturell: Katalogpflege ist sein Kerngeschäft, nicht Ihres. Er führt Preise, Verfügbarkeiten, Klassifikation und Lieferzeiten, weil er davon lebt. Für den Agenten ist die Entscheidung damit trivial.

Die Folge ist nicht bloß eine Frage der Nennung. Sie verlieren den Erstkontakt, damit die Anwendungsberatung und damit einen Teil der Preisdurchsetzung. Wie Sie Produkt und Ursprung wieder verknüpfbar machen, steht auf Eindeutige Firmendaten. Wie die Gegenseite auf dieselbe Entwicklung schaut, auf Für Distributoren.

Was Sie in dieser Reihenfolge tun sollten

  1. Einordnen. Auf welcher Stufe stehen Sie? Ohne diese Antwort ist jede Investition eine Wette auf die Reihenfolge.
  2. Auflösbar werden. Eine kanonische Firmenentität herstellen, sonst wird alles Weitere jemand anderem zugeschrieben.
  3. Eine Warengruppe begründen. Anwendungsfall, Auswahlkriterium, Grenzen. Verschriftlicht, nicht im Kopf.
  4. Strukturiert ausliefern. Sachmerkmale mit Einheiten, Klassifikation nach ECLASS oder ETIM, Katalogexport aus derselben Quelle wie die Website.
  5. Messen. Agent Share of Voice für genau diese Warengruppe, damit Sie die Wirkung zuordnen können.

Der häufigste Fehler dabei ist, mit Schritt vier anzufangen, weil er sich am ehesten beauftragen lässt. Ein Katalogexport unbegründeter Merkmale ist aber nur ein schnellerer Weg zu Stufe 1.

Häufige Fragen

Was ändert sich für einen Hersteller konkret?
Der Erstkontakt verschiebt sich. Bisher entstand er über Außendienst, Messe, Katalog oder Suchmaschine, also über Kanäle mit einem Menschen am anderen Ende. Künftig entsteht ein wachsender Teil davon im ERP-Fallback eines Beschaffungsagenten, also in einem Moment, in dem niemand Ihre Website ansieht und eine Maschine anhand Ihrer Daten entscheidet, ob Sie überhaupt in Betracht kommen.
Ist das ein Marketing- oder ein Vertriebsthema?
Vertrieb. Auffindbarkeit ersetzt in diesem Kanal Außendienstreichweite. Wer keinen global gestreuten Vertrieb hat, kann Märkte bisher schlicht nicht bearbeiten. Ein Agent, der weltweit recherchiert, hebt diese Grenze auf, aber nur für Anbieter, deren Daten er auswerten kann. Damit ist es eine Frage der Vertriebsinfrastruktur und nicht der Kommunikation.
Was ist der schnellste Hebel?
Eine Warengruppe vollständig durchziehen statt das ganze Sortiment anzufassen. Für diese eine Gruppe: Eignung je Anwendungsfall begründen, Sachmerkmale mit Einheiten auszeichnen, gegen ECLASS oder ETIM klassifizieren und strukturiert ausliefern. Ein begründeter Ausschnitt schlägt einen vollständigen, aber unbegründeten Katalog, weil der Agent im Fallback nach einem konkreten Bedarf sucht und nicht nach Sortimentsbreite.
Verliere ich meine Händler, wenn ich selbst auffindbar werde?
Das ist die falsche Alternative. Der Agent wählt heute den Händler, weil dessen Daten auswertbar sind, nicht weil er den Händler bevorzugt. Wenn Sie als Hersteller vergleichbare Datenqualität liefern, wird Ihr Produkt dem richtigen Ursprung zugeordnet. Wer die Bestellung ausführt, bleibt davon unberührt und lässt sich weiterhin über Ihre Vertriebsstruktur steuern.
Was, wenn wir bei unseren Kunden ohnehin gelistet sind?
Dann sind Sie im Bestandsgeschäft in der stärksten Position, weil dort kein Wettbewerb stattfindet. Diese Position schützt aber nicht gegen Substitution nach einer Abkündigung, gegen einen Engpass und gegen eine geänderte Spezifikation, denn in all diesen Fällen sucht der Agent erneut. Und sie skaliert nicht, weil sie nur bei den Kunden gilt, die Sie schon haben.
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