Wie ein Kauf über ACP abläuft
Wenn ein Nutzer in ChatGPT eine Bestellung auslöst, sendet ChatGPT die nötigen Bestelldaten über das Agentic Commerce Protocol an das Backend des Händlers. Der Händler nimmt die Bestellung an (oder lehnt sie ab), verarbeitet die Zahlung über seinen bestehenden Payment-Provider und übernimmt Fulfillment und Kundenservice. Entscheidend: Die Kontrolle und die Kundenbeziehung bleiben beim Händler.
| Schritt | Wer | Was passiert |
|---|---|---|
| 1 · Auswahl | Nutzer + Agent | Produkt wird im Chat ausgewählt |
| 2 · Order | ChatGPT | Bestelldaten gehen via ACP an das Händler-Backend |
| 3 · Zahlung | Stripe (SPT) | Shared Payment Token stößt Zahlung an – ohne Kartendaten offenzulegen |
| 4 · Abwicklung | Händler | Annahme, Zahlungsabwicklung, Fulfillment, Support |
Der Shared Payment Token (SPT)
Nachdem der Käufer seine bevorzugte Zahlungsart gewählt hat, stellt Stripe einen Shared Payment Token aus – ein neues Zahlungs-Primitiv, das es Anwendungen wie ChatGPT erlaubt, eine Zahlung zu initiieren, ohne die Zahlungsdaten des Käufers preiszugeben. Für Händler bedeutet das: kein neues Risiko-Setup, kein Bruch im bestehenden Zahlungs-Stack.
Woraus ACP technisch besteht
ACP ist kein einzelnes Feature, sondern setzt sich aus drei Bausteinen zusammen. Die Trennung ist praktisch relevant, weil sie erklärt, welche Teile Sie selbst bauen müssen und welche Ihr Payment-Provider übernimmt:
| Baustein | Was er regelt | Wer liefert |
|---|---|---|
| Produkt-Feed | Welche Artikel es gibt, mit Preis, Verfügbarkeit und Attributen | Der Händler |
| Checkout-Schnittstelle | Warenkorb anlegen, aktualisieren, Versand und Steuern berechnen, Bestellung abschließen oder ablehnen | Der Händler (oder seine Plattform) |
| Delegierte Zahlung | Ausstellung und Einlösung des Shared Payment Token | Der Payment-Provider |
Die verbreitete Aussage „Integration in einer Zeile Code“ bezieht sich auf den dritten Baustein und gilt für Händler, deren Plattform die ersten beiden bereits mitbringt. Wer eine Eigenentwicklung betreibt, baut die Checkout-Schnittstelle selbst – das ist überschaubar, aber kein Konfigurationsschritt.
Was Ihr Backend können muss
Die Checkout-Schnittstelle bildet eine Sitzung ab, die der Agent schrittweise befüllt. Entscheidend ist, dass Ihr System auf jede Zwischenstufe verbindlich antwortet – ein Agent kann keine Rückfrage per Telefon stellen:
- Sitzung anlegen mit Artikeln und Menge, Antwort mit Zwischensumme.
- Aktualisieren, sobald Lieferadresse oder Versandart feststehen – inklusive korrekter Steuer und Versandkosten für genau diese Adresse.
- Abschließen gegen Vorlage des Zahlungs-Tokens, mit verbindlicher Annahme oder Ablehnung.
- Stornieren, solange die Sitzung offen ist.
- Statusänderungen zurückmelden, wenn sich nach Annahme etwas ändert – etwa bei Versand oder Rückerstattung.
Der unterschätzte Teil ist die Steuer- und Versandberechnung in Echtzeit. Viele Shops ermitteln beides erst spät im eigenen Checkout-Prozess oder überlassen es einem Frontend. Für ACP muss diese Logik serverseitig und als API verfügbar sein.
Wie ChatGPT Ihr Sortiment überhaupt findet
Ein häufiges Missverständnis: ACP schafft keine Sichtbarkeit. Das Protokoll regelt den Kaufabschluss, nachdem die Auswahl bereits gefallen ist. Damit Ihre Produkte in die Auswahl kommen, braucht es den Produkt-Feed und darüber hinaus dieselbe Grundlage wie in jedem anderen KI-Kanal: vollständige, konsistente, maschinenlesbare Daten und Inhalte, die als Beleg taugen.
Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst integriert, hat am Ende einen funktionierenden Checkout, den niemand ansteuert. Deshalb steht Sichtbarkeit für KI-Agenten vor der Protokoll-Anbindung – nicht danach.
Was ACP kostet und was offenbleibt
Das Protokoll selbst ist Apache-2.0-lizenziert und damit kostenfrei nutzbar. Kosten entstehen an anderer Stelle, und ein Teil davon ist noch nicht abschließend geklärt:
- Zahlungsabwicklung läuft über Ihren bestehenden Provider zu Ihren bestehenden Konditionen.
- Provisionsmodelle der Agenten-Plattform sind der bewegliche Teil. Wer den Kanal budgetiert, sollte diesen Punkt aktiv klären statt annehmen, er bleibe dauerhaft kostenfrei.
- Interner Aufwand für Feed-Pflege und die Echtzeit-Berechnung von Versand und Steuer – in der Regel der größere Posten.
Zwei weitere Punkte gehören zur ehrlichen Einordnung: Der Rollout ist regional gestaffelt und begann in den USA; und die Kundendaten, die Sie aus diesem Kanal erhalten, sind knapper als im eigenen Shop. Sie bleiben Merchant of Record, aber der gewohnte Aufbau eines Kundenprofils über Sitzungsverhalten entfällt.
Warum ACP für Händler relevant ist
- Schnelle Integration: Wer Stripe nutzt, aktiviert agentische Zahlungen teils mit einer Zeile Code.
- Merchant of Record bleibt der Händler – Kundenbeziehung, Daten und Steuerlogik bleiben in Ihrer Hand.
- Offener Standard: Apache 2.0, plattform- und Payment-Provider-übergreifend implementierbar.
- Reichweite: Start mit Etsy, über eine Million Shopify-Händler folgen, Salesforce unterstützt das Protokoll.
ACP regelt das Wie des Kaufabschlusses. Wie die Zahlung darunter abgesichert wird, zeigt die Seite zu Agentic Payments; den eigentlichen Kaufprozess vertieft Agentic Checkout. Der konkurrierende, stärker zahlungszentrierte Ansatz von Google ist AP2.