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Industrie · Messbarkeit

Agent Share of Voice: Sichtbarkeit bei KI-Agenten messbar machen

Wer von einem Agenten nicht ausgewählt wird, hinterlässt keine Spur. Ohne eigene Kennzahl wird Budget entweder blind erhöht oder blind gekürzt. Beides ist falsch.

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Das Problem: eine Ablehnung, die niemand sieht

In allen bisherigen Kanälen war Misserfolg beobachtbar. Eine Anzeige ohne Klick, ein Warenkorb ohne Kauf, ein Angebot ohne Auftrag. Der Agentenkanal hat diese Eigenschaft nicht. Wenn ein Beschaffungsagent im Fallback recherchiert und Sie nicht in Betracht zieht, passiert auf Ihrer Seite nichts. Es gibt kein Ereignis, das sich zählen ließe.

Das hat eine unangenehme Folge für die Budgetlogik. Bei langen Implementierungszyklen lässt sich der Erfolg ohnehin nicht am Auftragseingang ablesen, und ohne eigene Kennzahl bleibt nur Bauchgefühl. In der Praxis führt das entweder dazu, dass weiter investiert wird, ohne zu wissen ob es wirkt, oder dass gekürzt wird, weil sich nichts zeigt. Beide Entscheidungen werden ohne Information getroffen.

Was Agent Share of Voice misst

Die Kennzahl setzt Ihr Vorkommen ins Verhältnis, statt es absolut zu zählen. Nicht „werden wir genannt", sondern „bei wie vielen unserer definierten Anfragen kommen wir vor, und wie groß ist unser Anteil an allen dort genannten Anbietern". Der Unterschied ist wesentlich: Eine absolute Zahl steigt auch dann, wenn Antworten insgesamt länger werden. Ein Anteil steigt nur, wenn Sie relativ zum Wettbewerb gewinnen.

Ebene 1: Das Prompt-Set

Der Kern der Methode ist eine feste Menge realistischer Beschaffungsanfragen je Warengruppe. Realistisch heißt: so formuliert, wie ein Einkäufer oder sein Agent fragen würde, also mit Spezifikation, Einsatzbedingung und Menge, und ausdrücklich ohne Ihren Markennamen. Eine Anfrage, die Ihren Namen enthält, misst nichts, weil sie die Antwort vorwegnimmt.

EigenschaftRichtigFalsch
Formulierung „Induktiver Näherungsschalter M12, Schaltabstand 4 mm, IP67, Umgebungstemperatur bis 85 °C, Lieferant in Deutschland" „Beste Näherungsschalter" oder „Näherungsschalter von [Ihre Marke]"
Umfang Pro relevanter Warengruppe eine zweistellige Zahl von Anfragen, über Anwendungsfälle gestreut Drei Anfragen, aus denen sich kein Trend ableiten lässt
Stabilität Das Set bleibt unverändert; Erweiterungen werden als neue Kohorte geführt Bei jeder Messung neue Formulierungen, damit sind die Werte nicht vergleichbar
Abdeckung Auch Substitutions- und Engpassfälle, weil dort der Fallback besonders häufig ausgelöst wird Nur Standardanfragen für das Kernsortiment

Was pro Antwort erfasst wird

Die wichtigste Entscheidung der ganzen Methode ist, Nennung und Auswahl nicht in einen Topf zu werfen. Drei Stufen genügen und sie sind ohne Interpretationsspielraum unterscheidbar.

StufeWas passiert istWas es bedeutet
NennungIhr Name kommt in der Antwort vor, ohne BegründungSie sind auffindbar. Mehr nicht.
EmpfehlungDer Agent begründet, warum Ihr Produkt zur Anfrage passtIhre Eignungsdaten tragen.
AuswahlDer Agent entscheidet sich für SieSie gewinnen gegen die konkret genannte Alternative.

Diese Trennung macht das Kernproblem sichtbar, das im Reifegradmodell Stufe 1 heißt: Eine steigende Nennungsquote bei gleichbleibender Empfehlungsquote sieht wie Fortschritt aus und ist keiner. Wer nur Nennungen zählt, optimiert genau am Engpass vorbei.

Erfassen Sie zusätzlich, wer stattdessen genannt wird. Diese Spalte ist im Zweifel wertvoller als Ihre eigene Quote, weil sie zeigt, gegen wen Sie tatsächlich antreten und ob es Ihr eigener Distributor ist.

Ebene 2: Agenten-Zugriffe in den Server-Logs

Die zweite Ebene ist billiger zu haben und wird meist übersehen. Ihre Server-Logs zeigen, ob KI-Crawler Ihre Inhalte überhaupt abrufen. Diese Zugriffe erscheinen in keinem JavaScript-basierten Analytics-Tool, weil Crawler kein JavaScript ausführen. Wer nur auf sein Analytics schaut, sieht diesen Verkehr grundsätzlich nicht.

User-AgentBetreiberWofür er abruft
GPTBotOpenAISammelt Inhalte für das Modelltraining
OAI-SearchBotOpenAIIndexiert für die Suchfunktion
ChatGPT-UserOpenAIRuft eine Seite ab, weil ein Nutzer oder Agent gerade danach fragt
ClaudeBotAnthropicSammelt Inhalte
PerplexityBotPerplexityIndexiert für Antworten mit Quellenangabe
Perplexity-UserPerplexityAbruf im Auftrag einer laufenden Nutzeranfrage
Google-ExtendedGoogleSteuert die Nutzung für generative Google-Produkte

Interessant sind zwei Auswertungen. Erstens die schlichte Frage, ob überhaupt Zugriffe stattfinden; bleiben sie aus, ist jede Diskussion über Formulierungen verfrüht und Sie sollten zuerst prüfen, ob eine Firewall-Regel oder robots.txt diese Crawler sperrt. Zweitens die Unterscheidung zwischen sammelnden Crawlern und den nutzergetriebenen Abrufen wie ChatGPT-User und Perplexity-User: Letztere zeigen an, dass jemand gerade jetzt zu einem Ihrer Themen recherchiert.

Ebene 3: Datenqualität als Frühindikator

Die dritte Ebene ist die einzige, die Sie direkt steuern können, und sie läuft den beiden anderen voraus. Gemeint ist der Anteil Ihrer Produkte mit vollständigem Attributsatz und hinterlegter Eignungsbegründung. Diese Zahl bewegt sich sofort, wenn Sie arbeiten, während Nennungs- und Empfehlungsquoten mit Verzögerung folgen.

Praktisch heißt das: Verwenden Sie Ebene 3 zur Steuerung im Quartal und Ebene 1 zum Nachweis über das Jahr. Wer die Reihenfolge vertauscht, misst zu früh und schließt aus einer noch nicht eingetretenen Wirkung, dass die Maßnahme nicht wirkt.

Was Sie nicht messen sollten

  • Anfragen mit Ihrem Markennamen. Sie liefern hohe Quoten und keine Erkenntnis. Wer Ihren Namen kennt, ist nicht das Publikum, um das es im Fallback geht.
  • Einzelne Antworten als Beleg. Modelle antworten nicht deterministisch. Ein guter oder schlechter Einzelfall sagt nichts; nur die Quote über ein festes Set sagt etwas.
  • Nur eine KI-Strecke. Die Ergebnisse weichen zwischen Systemen deutlich ab. Eine einzelne Strecke ist eine Stichprobe von einem, kein Marktbild.
  • Nennungen ohne Kontext. Ob Sie als geeigneter Anbieter oder als Negativbeispiel genannt werden, ist ein Unterschied, den eine reine Zählung verliert.

Aufwand und Einstieg

Der Einstieg braucht kein Werkzeug. Eine Tabelle mit Datum, System, Anfrage, Bewertungsstufe und genannten Wettbewerbern trägt die ersten Messreihen. Der Aufwand liegt in der Disziplin, das Set unverändert zu lassen und den Termin einzuhalten, nicht in der Technik. Automatisieren lohnt sich erst, wenn die Methode steht, weil sonst nur ein instabiles Verfahren schneller instabile Zahlen produziert.

Wo Sie mit Ihrer Datenbasis stehen, bevor Sie zu messen anfangen, klärt der Readiness-Check. Was die einzelnen Stufen bedeuten, steht auf Agent-Readiness.

Häufige Fragen

Was ist Agent Share of Voice?
Der Anteil, mit dem Ihr Unternehmen in den Antworten von KI-Systemen auf ein definiertes Set realistischer Beschaffungsanfragen vorkommt, gemessen im Verhältnis zu allen dort genannten Anbietern. Anders als eine reine Nennungszahl setzt die Kennzahl Ihr Vorkommen ins Verhältnis zum Wettbewerb und wird dadurch über die Zeit vergleichbar.
Warum reicht Google Analytics dafür nicht?
Weil ein nicht ausgewählter Anbieter keine Spur hinterlässt. Es gibt keine verlorene Session, keine Absprungrate und keinen abgebrochenen Warenkorb. Der Agent erwähnt Sie schlicht nicht, und dieses Nichtereignis taucht in keinem Analytics-Tool auf. Hinzu kommt, dass Crawler kein JavaScript ausführen und deshalb in JavaScript-basierten Tools grundsätzlich unsichtbar bleiben.
Wie groß sollte das Prompt-Set sein?
Groß genug, dass eine einzelne Schwankung die Quote nicht dominiert, und klein genug, dass Sie es dauerhaft durchhalten. Als Orientierung: pro relevanter Warengruppe eine zweistellige Zahl von Anfragen. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass das Set unverändert bleibt. Ein Set, das sich mit jeder Messung ändert, erzeugt Zahlen ohne Vergleichbarkeit.
Wie oft sollte gemessen werden?
Regelmäßig und in gleichen Abständen, üblicherweise monatlich. Wichtiger als die Frequenz ist die Gleichmäßigkeit, weil die Kennzahl ihren Wert aus dem Verlauf zieht und nicht aus dem Einzelwert. Zusätzlich lohnt eine Messung unmittelbar vor und nach größeren Datenänderungen, um Wirkung zuordnen zu können.
Was ist der Unterschied zwischen Nennung, Empfehlung und Auswahl?
Nennung heißt, Ihr Name kommt in der Antwort vor. Empfehlung heißt, der Agent begründet, warum Ihr Produkt für die Anfrage geeignet ist. Auswahl heißt, er entscheidet sich für Sie. Die drei Stufen auseinanderzuhalten ist der wichtigste Teil der Methode, weil eine steigende Nennungsquote ohne steigende Empfehlungsquote genau das Problem beschreibt, das Stufe 1 im Reifegradmodell ausmacht.
Kann ich das ohne Werkzeug selbst machen?
Ja, der Einstieg ist bewusst niederschwellig. Ein festes Prompt-Set, eine Tabelle mit Datum, System, Anfrage, Bewertungsstufe und genannten Wettbewerbern reicht für die ersten Messreihen. Der Aufwand liegt in der Disziplin, nicht in der Technik. Für die Log-Auswertung genügt ein Filter auf die bekannten User-Agents in Ihrer Serverauswertung.
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